Aus der Geschichte des Altmarktes Dinslaken

Der Dinslakener Altmarkt liegt inmitten der Altstadt und wird begrenzt durch die gleichnamige Straße, die an der Vinzenzkirche entlang läuft und die Duisburger und Gartenstraße verbindet, sowie der Eppinghovener Straße, die ebenfalls diese beiden genannten Straßen bindet.

Der Altmarkt Dinslaken wurde erstmals am 29. Oktober 1478 in einer Urkunde erwähnt. Unter dem Herzog Johann I von Kleve erhielt Dinslaken einen privilegierten Wochenmarkt. Dieses Privileg wurde niedergelegt in einer Urkunde, die der damalige Bürgermeister der Stadt Dinslaken Andreas Hartmann, seines Zeichens „von kaiserlicher Macht öffentlicher Notar“, anfertigte. Der Wochenmarkt sollte jeweils Dienstag stattfinden. Eine Sitte, die sich bis in die Neuzeit erhalten hat. Die klevische Landesherrschaft sagte den an- und abreisenden Käufern und Verkäufern freies Geleit im Zeitraum von Montag- bis Mittwochmittag zu. Sofern die der Stadt zustehenden Abgaben gezahlt wurden, durfte jedes Kaufmannsgut feilgehalten werden. Die wichtigsten Waren auf dem Altstadtmarkt waren Getreide, Saatgut, Milcherzeugnisse , Öl, Fisch und Brot sowie Tuche, Flachse, Leder, Harnische und Waffen. Auf den „opten scharven“, das heißt den Fleischbänken wurde Fleisch von Rindern, Schweinen und Schafen angeboten.

Alles was nach Gewicht verkauft wurde, wurde zur Stadtwaage gebracht. Dort musste Waagegeld entrichtet werden. Dieses Wiegegeld war eine Akzise, eine indirekte Steuer, die auf Grundnahrungsmittel (zum Beispiel Weizen oder anderes Getreide beziehungsweise Mehl), auf Lebensmittel (Zucker, Salz, Fett, Fleisch), auf Vieh oder auf den sonstigen Verbrauch erhoben wurde. Für die Erhebung oder Aufsicht der Erhebung war der Akzise- oder Ziesemeister von Amts wegen zuständig. Dabei konnte es sich auch um Personen handeln, die das Recht zur Eintreibung der Steuern von der Stadt gepachtet hatten. Vermutlich war bereits zu diesem Zeitpunkt um 1480 die Waage, wie auch das gesamte Akziseaufkommen an einen Einnehmer verpachtet.

Die Höhe dieser Umsatzsteuern konnte durchaus bei einzelnen Produktgruppen zwischen einheimischen und auswertigen Händlern variieren. Diese indirekten Verbrauchssteuern waren bis zur Neuzeit die Haupteinnahmequelle der Stadt Dinslaken.

In den folgenden Jahrhunderten bis zum Übergang Kleves unter preußische Herrschaft erfahren wir so gut wie nichts mehr über den Dinslakener Altmarkt. Die vielen Kriegsjahre dürften dazu geführt haben, dass der Markt nur noch unregelmäßig abgehalten wurde.  Die Einnahmen der Stadt dürften dadurch geringer geworden sein. In den Schöffenprotokollen dieser Jahre werden unter anderem Braugeräte und Destillier-Kessel für Wacholderwasser vermerkt, die neben den Getränken zum Verkaufe für den Markt hergestellt wurden. 1807 wird ein Gesuch der Stadt Dinslaken erwähnt, einen zweiten Jahrmarkt in der Woche nach Trinitatis (der zweiten Woche nach Pfingsten)  einzurichten. Der erste Jahrmarkt fand bisher im November (Martini) statt. Als Gründe wurden neben erhöhten Akzise-Einnahmen auch „direktes Geld durch fremde Krämer“ und „indirektes Geld durch die zu verzehrenden Lebensmittel“ genannt. Ein weiterer aufschlussreicher Grund war die Tatsache, dass in Dinslaken viele Waren wie Schlösser, Scheren, Hornwaren und anderes gar nicht mehr gekauft werden konnten und die Bürger gezwungen waren, diese Waren in anderen Städten zu erwerben.

Zu den beiden jetzt stattfindenden Krammärkten zu Pfingsten und Martini gesellten sich auch Zuchtviehmärkte, die 1824 erstmals erwähnt wurden und von denen in dem Jahr zwei Märkte stattgefunden haben sollen. 1831 wurde am Neutor ein geeigneter Platz für einen Großviehmarkt geschaffen. Diesen Großmärkten kam große wirtschaftliche Bedeutung zu, da in den Folgejahren neben der Eisenbahn auch die Dampfschifffahrt als Transportmittel eingesetzt werden konnte und der Handel nicht mehr nur regional begrenzt war.

Auf dem Altmarkt gab es seinerzeit neben der Stadtwaage und dem zur Kontrolle an einem Haus angebrachten Norm-Maß die Gerichtslinde und ein Zollhäuschen. Nicht fehlen durfte der Pranger , auch Schandpfahl oder Kaak genannt, ein Strafwerkzeug in Form einer Säule, an denen ein Bestrafter gefesselt  und öffentlich vorgeführt wurde. Ebenfalls auf dem Altmarkt gab es am Mühlenteich die Wassermühle, die vom Rotbach gespeist wurde. Bis zu Beginn des 20. Jahrhunderts waren die Mühle nebst Mühlrad erhalten. Dort musste bis zum Mühlenerlass 1811 durch Napoleon jeder Bürger sein Getreide mahlen lassen, der in dem Mühlenbezirk wohnte. Das Kaiser-Wilhelm-Denkmal, welches durch den Bürgerschützenverein 1890 errichtet wurde, befand sich im magischen Dreieck vom Nordausgang der Pfarrkirche, dem Eingang zur Gaststätte Holtbrügge und dem Eingang zur ehemaligen Stadtschänke. An der Nordseite der St. Vincentius befinden sich seit 1980 die Originale der „Drei Kreuze“, der letzten Station eines um 1500 errichteten Weselaner Kreuzweges, unter einem Schutzdach. Kopien dieser Skulpturen stehen heutzutage stadtauswärts am Kreisverkehr Duisburger Straße, dem ursprünglichen Standort. Ebenfalls am Markt befand sich das „Königliche  Amtsgericht“ in den Jahren 1879 bis 1897.

Heutzutage wird alljährlich ein Maibaum in den Stadtfarben Rot-Weiß durch die Interessen-gemeinschaft Altstadt Dinslaken aufgestellt. Dieser erinnert auf den angebrachten Zunftzeichen an die verschiedenen Handwerke, die hier ihren Platz hatten. Der benachbarte Brunnen wird durch die bronzene Pumpenmarie verziert, die an die Pumpengesellschaften erinnert.