Die Geschichte der Trabrennbahn Dinslaken

Aus dem alten Reitverein Dinslaken entstand 1948 die Trabrennbahn Dinslaken. In der Gaststätte von Theo Lettgen, in der im August 1948 die Siegerehrung des Dinslakener Trab- und Rennvereins stattfand, verkündete der damalige Vorsitzende Willy Latz, dass die Zeit reif sei, um in Dinslaken den Bau einer Rennbahn in Angriff zu nehmen. Unterstützung bekamen die Anwesenden durch den damaligen Dinslakener Stadtdirektor Welk, dem es unter anderem am Herzen lag, neue Steuerquellen zu erschließen. Zu diesem Zeitpunkt war gerade das Bandeisenwerk demontiert worden und der Firma Meyer drohte ein ähnliches Schicksal. Andere Befürworter wie der Landrat Verhoeven betonten die züchterische Bedeutung des Pferdesports auch für das Dinslakener Umland. Zudem bestand die Möglichkeit durch die Anlage der Rennbahn eine Erholungsstätte für die Bevölkerung zu schaffen.

Bürgermeister Lantermann einigte sich mit dem Ältestenrat der Stadtverwaltung, dass dem neuen Verein ein städtisches Grundstück zur Verfügung gestellt werden sollte und so konnte am Mittwoch, dem 08. September 1948, der neue Verein, der „Niederrheinische Traber,- Zucht- und Rennverein Dinslaken“ im Hotel Rosendahl gegründet werden. Bei den anschließenden Wahlen wurden folgende Honoratioren gewählt – erster Vorsitzender wurde Landrat Verhoeven, 2. Vorsitzender Bürgermeister Lantermann. Weiterhin gehörten Willy Latz als Geschäftsführer, Blömers als Kassierer und Thiemann als Bahninspektor dem Vorstand an.

Die notwendigen Gelder für den Ausbau der Rennbahn wurden in den folgenden Jahren vornehmlich durch Bürgschaften seitens der Stadt Dinslaken, des Landes NRW und einiger Privatpersonen abgesichert in Zusammenarbeit mit der Niederrheinischen Bank AG, die die Kredite hauptsächlich zur Verfügung stellte.

1954 wurde mit fünf Renntagen begonnen, an denen mit 538 Pferden 40 Rennen bestritten wurden. Die Anzahl der Renntage wuchs. Der Umsatz auf Deutschlands jüngster Trabrennbahn, der einzigen Halbmeilenbahn (800 m) in Deutschland, nahm kontinuierlich zu und erreichte 1958 fast 3 Millionen DM. 434 Rennen an 41 Renntagen ermöglichten es, die Rennpreise und Züchterprämien auf rund 293 TDM zu steigern. Die sportlichen Höhepunkte wie der „Große Preis von Dinslaken“ oder „Preis vom Niederrhein“ festigten den guten Ruf der neuen Trabrennbahn und „Am Bärenkamp“ wurde zu einem festen Begriff in der Traberwelt.

Im April 1969 wurde das neue Tribünenhaus unter großer Anteilnahme der Bevölkerung eröffnet. Neben 12 gutbesetzten Rennen wurden auch die „Hell Drivers“ angekündigt, die einige atemberaubende Kunststücke zeigen sollten. Die Stuntshow sollte in den darauffolgenden Jahren noch öfters am Bärenkamp auftreten. „Die neue Tribüne soll nicht nur dem Rennsport dienen, sondern auch für kulturelle und andere Veranstaltungen zur Verfügung stehen“, betonte der Vorsitzende Verhoeven in seiner Rede. Sein Dank bezog sich auch auf die Einräumung des Erbbaurechtes seitens der Stadt Dinslaken an den Rennverein.

In den siebziger Jahren purzelten die Rekorde. Umsätze von 400 TDM an einem Renntag waren keine Seltenheit und Spitzensportler wie Dressurreiter Dr. Klimke oder Heide Rosendahl sorgten durch ihre Unterstützung im Prominentenfahren für neuen Zulauf.

1972 preschte Dinslaken dann mit einer einmaligen Neuerung vor. Der „Bärenkamp“ hatte die erste Trabrennbahn in Europa, die mit einer Kunststoffpiste ausgestattet wurde. Der Vorteil für die Pferde lag insbesondere in der Sicherheit der Anlage. Unfälle und Verletzungen, die durch ein Vertreten auf unebenen Grund immer wieder vorkamen, sollten so der Vergangenheit angehören, da die Bahn stets im gleichen, völlig ebenen Zustand bleibt. Ein Nebeneffekt waren höhere Geschwindigkeiten sein, da die Pferde jetzt sicherer trabten. Nach 8 Jahren wurde das Ende der Anlage eingeläutet. Der Kunststoffbelag hatte sich nicht bewährt, da die Platten sich immer wieder lösten. Nach ausführlichen Konsultationen tauschte man den Oberflächenbelag gegen Grauwacke aus und konnte so das Kunststoffgeläuf behalten.

Im September 1986 kann es zu einer Brandkatastrophe, bei der insgesamt 11 Pferde starben. Die Umsätze stiegen 1994 auf knapp 60 Mio. DM an und Heinz Wewering, der Mann mit dem Goldhelm,   war der ungekrönte König der Trabrennbahn, als er 1999 seinen 13000. Sieg feierte. Mit 14899 Siegen ist er der erfolgreichste Trabrennfahrer aller Zeiten.

In den folgenden Jahren gingen die Umsätze zurück. Die Bilanz für 2007 war ernüchternd. Der Totalisatorumsatz brach auf knapp 6,9 Mio. Euro ein und die Rennpreise sanken. Die Online-Wetten stürzen den Trabersport in die Krise. Zudem kam es zu jahrelangen Querelen im Verein. In Verhandlungen mit der Stadt Dinslaken versuchte man durch eine Änderung der Erbbaurechts-verträge einen finanziellen Spielraum zu finden, um die Trabrennbahn zu retten. Das Schreckgespenst Insolvenz drohte. Millionenforderungen des Finanzamtes, die auf nicht vorhanden Gewinnen basieren sollten, stürzten den Verein in die Krise. Am 21. Juli 2009 musste der Verein den Gang zum Insolvenzrichter antreten, nachdem der Bundesfinanzhof die Forderungen für vollziehbar erklärt hatte. Der Rennbetrieb wurde am 12. Januar 2010 eingestellt.

Nachtrag:

Am Ostermontag 2010 war es dann wieder soweit. Nach vier Monaten Zwangspause lud der neu gegründete Trabrennverein unter dem 1. Vorsitzenden Theo Lettgen zum ersten Rennen nach der Insolvenz ein. Regelmäßig finden nun wieder Rennen am Bärenkamp statt. 2013 sind 38 Renntage geplant. Die Gebäude der Trabrennbahn werden heute zu den verschiedensten Veranstaltungen genutzt. 2013 finden dort unter anderem Klausuren der Universität Duisburg statt.